An die Eine

 

Ich schrieb Dir einen Abschiedsbrief,

der sich im Sand der Zeit verlief.

Noch immer weilt der Trennungsschmerz,

Du bleibst als Ehefrau im Herz.

 

Jetzt sind wir schon seit vielen Jahrn

getrennt. Und ich muss täglich starrn

in einen Schlund, der mich verschlingt,

weil ohne Dich mir nichts gelingt.

 

Ich schau mir alte Fotos an,

dass ich Dich lachen sehen kann.

Wir teilten Freud, und teilten Leid.

Oh nimm mich, Nacht! Ich bin bereit…

 

A.R. 2021


Nachträglich...


Geburtstagsgrüße send‘ ich Dir,
und wünsche Alles Gute hier.
Zum achten Jubiläum auch,
das unsere Beziehung feiert.
Denn Du bist, was ich heute brauch.
Ich weiß, der Satz ist ausgeleiert.
Verzeih, dass ich nicht da sein kann,
Bewährungsstrafe dauert an.


So ist mir meine Freiheit Haft,
was es auch beinah bei mir schafft,
dass ich den freien Tod erwähle,
weil Du mein Sinn im Leben bist.
Erwarte als Soldat Befehle,
doch keine Frau dem Wert beimisst.
So sag ich: Alles Gute, Schatz.
Im Bett ist noch ein freier Platz.


P.S. Drum geh ich nicht mehr schlafen,
Du bist und bleibst mein Heimathafen.

 

A. R. 2020


Ich wünscht

 

Ich wünscht, dass ich nicht selber wüsst,
wohin gebrochne Herzen gehn.
Ich wünscht, ich hätte nie geküsst,
dann würde ich noch kindlich sehn.

Ich wünscht, ich würde nichts vermissen,
mit einem Herz aus kaltem Erz.
Ich wünscht, ich wär nicht so verbissen,
dann wär mir nichts ein übler Scherz.

Ich wünscht, ich wäre unzerbrechlich,
dann würde ich Dich weiter lieben.
Ich wünscht, ich wäre unbestechlich,
dann wäre ich dabei geblieben.

Doch so ersehne ich den Tod,
der mir die sanfte Ruhe schenkt.
Doch so blick ich gen Abendrot,
derweil doch keine mich bedenkt.

 

A.R. 2020


Expressive Projektionen

 

Wahrheit, was ein schwerer Brocken!

Damit kann man niemand locken.

Dafür ist sie viel zu trocken,

und kann viel zu selten schocken.

 

Doch Gedichte wollen keine

Wahrheit zeigen, wie ich meine.

Nein, sie haben kurze Beine,

zeigen jedem nur das Seine.

 

Sind nur Spiegel der Dämonen,

die in unserm Innern wohnen:

Expressive Projektionen

und Symbole seit Äonen.

 

Also wollen wir beginnen,

dazu manche Lieder singen,

die in unserm Busen klingen,

und beherzt das Tanzbein schwingen.

 

A.R. am 18. Oktober 2014


We both are lost

 

Die Liebe meiner Jugendzeit.
Sie wollte später Kunst studier'n,
verstand sich selbst als echten Punk,
und wusste mich zu faszinier'n.

Ich traf mich immer gern mit ihr,
um über Kunst zu diskutier'n.
So konnte ich ihr nahe sein,
und musste nie zu viel riskier'n.

Ich liebte ihre Malerei,
der ich von Anfang an verfiel.
Sie brachte mir auch manches bei,
zum Beispiel das Gitarrenspiel.

Sie sagte nur "We both are lost",
bevor sie ohne Spur verschwand.
Sie hinterließ in mir ein Loch,
das niemals seine Heilung fand.

 

A.R., 2018


Wie immer

 

Waren gleich ein Liebespaar,
nach dem ersten Treffen schon.
Lagen nackt im Feld aus Mohn.
Alles schien uns wunderbar.

Hatten wir es überstürzt?
Reif war das Verhalten nicht.
Dachten kurz und dachten schlicht.
Kennenlernen? Abgekürzt!

Sagten gern: „Ich liebe Dich“,
und vertrauten uns stets blind,
sorgenfrei wie nur ein Kind.
„Nein, ich lass Dich nie im Stich!“

Ja, so lief‘s bei jeder Frau.
Nie hab‘ ich daraus gelernt,
dass man sich auch schnell entfernt
ohne eine Innenschau…

A.R. am 12. September 2019


Ohnmacht


Habe ich dich nun verloren
oder wartest du da draußen?
Wozu bin ich auserkoren?
Welcher Stimme soll ich lauschen?

 Sag Fortuna, wohin gehen,
 wenn nur Ungewissheit wartet?
 Vielleicht bleib ich einfach stehen,
 noch bevor mein Fehler startet.

 Alles ist stets falsch gewesen,
 nie ist etwas rum gekommen.
 Kann nicht in der Zukunft lesen,
 sehe alles nur verschwommen.

 Süße Ohnmacht, sei willkommen,
 kenne dich schon viel zu lange.
 Hast mir meinen Mut genommen,
 machst mir alles Angst und Bange.

A.R. am 16. Juni 2018


Angst


Ich habe große Angst vor Menschen,
sie kennen nämlich keine Grenzen,
wenn es um böse Worte geht,
wie ihr an meinem Leben seht.

Ich wurde wirklich oft misshandelt,
besudelt und beschimpft, verschandelt.
Nur wegen diesen Menschen krank,
empfinde ich heut keinen Dank.

Das Leben ist mir kein Geschenk,
egal wie oft ich's überdenk.
Ich hoffe ihr könnt mir verzeihen:
Ich musst mir die Beachtung leihen.


A.R. am 15. Oktober 2019


Demut


Allein wer tiefe Demut kennt,
erlangt zum Schluss Unsterblichkeit.
Der Sohn, der bis nach Hause rennt,
erst weg und dann zurück zum Streit.


Möge mich ein Engel leiten,
möge ich die Zeichen sehen,
auch wenn wir mal beide streiten,
und getrennte Wege gehen.


Werde immer an Dich denken.
Gute oder schlechte Zeiten,
ganz egal, mein Herz wird lenken.
Mag für Dich den Brustkorb weiten.


Nur wer sich öffnet für den Schmerz,
der lässt auch Liebe mit hinein.
So wandere ich heimatwärts,
um ganz bei meinem Selbst zu sein.

 

A.R. am 26. August 2019


Sonne und Mond


Die Sonne schenkt uns Menschen Licht,
und ohne sie, da gäb‘s uns nicht.
Ihr Feuer brennt erbarmungslos,
und doch ist unser Dank sehr groß.


Am Ende ist sie nur ein Stern,
der riesig ist und ziemlich fern.
Der frühe Mensch verehrte ihn
als Gott, der täglich neu erschien.


Sein Gegenspieler ist der Mond,
der ebenfalls am Himmel thront.
Er scheint, wenn Nachts die Sonne stirbt,
wenn damit Gottes Macht nicht wirkt.


Er heilt, was sich am grellen Tag
sonst niemals gänzlich zeigen mag,
und schenkt auch denen Zuversicht,
die wandern – ohne eignes Licht.


A.R. am 04. September 2019


Zwiegestalt


Ich denke gern in schwarz und weiß
und idealisiere schnell.
Ich fühle nur in kalt und heiß
und Tageslicht ist mir zu grell.


So lebe ich im Schatten – still –
in dem Exil der Einsamkeit.
Und alles, was mein Herz hier will,
ist ein Gefühl von Freud und Leid.


Ich nenn mich selbst gern „Zwiegestalt“,
gelebte Chaostheorie.
Was fühle ich mich schrecklich alt,
doch weise wurd ich dadurch nie.


Und heißt es in der Bibel nicht,
sei lieber heiß, sei lieber kalt,
als mittelmäßig? Oh mein Licht
im dichten, dunklen, tiefen Wald.


A.R. am 19. August 2019