Über die Gitalele

Die Gitalele ist eine 1/8 Gitarre, bzw. im Prinzip eine Kindergitarre. Typischerweise stimmt man sie in einer A-Stimmung, bzw. auf allen Saiten genau 5 Halbtöne nach oben, was der Gitalele einen höheren Klang verleiht, aber die bekannten Standard-Gitarrengriffe weiterhin benutzbar macht. Man könnte auch sagen, die Gitalele ist eine Gitarre mit dem Capo im 5. Bund. Nur mit dem Unterschied, dass sie wesentlich kleiner ist als eine Gitarre und eher einer Ukulele entspricht.

 

Ursprünglich habe ich mir meine erste Gitalele nur durch den puristischen Faktor einer Gitarre im Mini-Format bedingt gekauft. Doch im Laufe der Zeit sind mir immer mehr Vorteile an der Gitalele aufgefallen, so dass ich nach und nach tatsächlich meine Gitarrensammlung verkauft habe, und komplett auf das Gitalelen-Spiel umgestiegen bin.

 

Allerdings gab trotzdem ein Problem: Manche Griffe wollten einfach nicht auf der Gitalele sitzen, und ich dachte es lag daran, dass ich mich im Verlaufe von 10 Jahren Gitarrenspiel einfach zu sehr an eine große Gitarre gewöhnt hatte. Doch nach einigen Jahren fiel mir endlich die Lösung für dieses Rätsel auf! Die A-Stimmung einer Gitalele war einfach strammer als die E-Stimmung einer gewöhnlichen Gitarre. Also stimmte ich die Gitalele um 2 Halbtöne nach unten, so dass eine G-Stimmung entstand, die genau 3 Halbtöne über der E-Stimmung einer gewöhnlichen Gitarre positioniert war. Und siehe da: Mit einem Schlag hatte ich genau das Feeling, das ich zunächst schmerzlich vermisst hatte. Und plötzlich war es mir ein leichtes, alle auf der Gitarre gelernten Griffe, auf der Gitalele anzuwenden, so dass die Akkorde auch sauber klangen, wenn ich sie anspielte. Ab da an, war es ein leichtes meine Finger selbst nach 10 Jahren Gitarrenspiel an die viel kleinere Gitalele zu gewöhnen, so dass es mir mittlerweile stattdessen fremd ist, auf einer normalen Gitarre zu spielen.

 

Um verständlich zu machen, warum ich die Gitalele der normalen Gitarre als überlegen erachte, werde ich nun erklären:

- In der G-Stimmung haben die Saiten der Gitalele dieselbe Zugstärke, so dass man sich auch als Gitarrenspieler "heimisch" fühlt.

- Eine Gitalele ist viel kleiner, so dass es viel mehr Möglichkeiten der Haltung gibt. Man kann sie zum Beispiel ohne Probleme im Schoß, bzw. im Schneidersitz spielen und dabei einfach vor dem Bauch halten, was sehr bequem ist. Oder man hält sie wie eine klassische Gitarre mit dem Kopf nach oben, allerdings ohne dass hierfür eine Halterung nötig ist. Und auch die Arme müssen dabei nicht gefühlt kilometerweit geöffnet sein, sondern kann die Arme immer noch gemütlich vor dem Körper halten.

- Die Gitalele ist viel leichter, als eine normale Gitarre. Dadurch hat man viel öfters Lust und Laune, die Gitalele einfach Zwischendurch zu schnappen und drauf los zu spielen. Somit spielt man unbewusst doch öfters darauf als es bei einer schweren, unhandlichen Gitarre der Fall wäre.

- Durch die geringere Größe gibt es außerdem mehr Möglichkeiten, sie im Raum zu positionieren, womit ich sie z.B. viel einfacher direkt neben meinem Sitzplatz hinstellen kann, und damit öfters Griffbereit habe, als früher meine großen Gitarren.

- Auch der Transport gestaltet sich viel einfacher, weil die Gitalele weniger Gewicht mit sich bringt, und gleichzeitig auch weniger Raum beansprucht.

- Und wenn man im Freien spielen möchte, bzw. andere Gruppe von Leuten unterhalten möchte, braucht man so oder so einen Verstärker, damit man richtig guten Sound hat, der nicht untergeht. Und wenn ich einer einzelnen Person etwas vorspielen möchte, die direkt vor oder neben mir ist, ist die Lautstärke ebenfalls ausreichend, obwohl sie leiser als eine große Gitarre ist. Ich sehe mich also auch in den Möglichkeiten der Unterhaltung nicht eingeschränkt.

- Als Gitarren- und Gitalelenlehrer habe ich außerdem festgestellt, dass es Anfängern viel leichter fällt, Fortschritte zu erzielen, weil man die Finger zum Akkord-Spiel nicht spreizen braucht, um die Akkorde zu greifen. Stattdessen sind die Bünde der Gitalele so nah beieinander gelegen, dass der gewöhnliche Fingerabstand bereits ausreichend ist, um alle Bünde eines beliebigen Standard-Akkords zu greifen.


Diese Punkte sprechen alle für sich.